PC145949Reisebericht 14 Südafrika OstJoshuaweb

Kilometer 47500 - 52200
Fahrstunden 800 - 880
Reisewoche 65 - 70
27.11.21 - 11.01.22

4700 Kilometer gefahren in 80 Stunden auf 46 Reisetagen


PB282274PB282276Wir sind in Gedanken noch bei Marius und der schönen Zeit, die wir bei ihm in Port Elizabeth hatten, als wir seinem Tipp folgend von der geteerten Hauptstraße auf eine kleine Erdpiste einbiegen. Wir folgen dieser einige Zeit bevor wir vor einem elektrischen Tor mit allerhand Sicherheitshinweisen und bedrohlich aussehenden Tiersymbolen stehen. Nach kurzem Gespräch mit dem Wächter klappt die Pforte zur Seite und wir rollen vorsichtig weiter. Wenige Meter weiter sind wir bereits von einer Herde Zebras zu beiden Seiten der schmalen Piste umgeben.

 

 

 

 

 

Die Route führt uns durch drei private Tierschutzgebiete und immer wenn diese sich zu beiden Seiten einer öffentlichen “Durchgangsstraße”, oder in unserem Fall eher einem öffentlichen Feldweg, erstrecken, ist es legal das Schutzgebiet auf diesem zu durchqueren. Frei von Gebühren und mit jeder Art von Fahrzeug. Abweichen von der Hauptroute oder aus- bzw. absteigen ist nicht erlaubt. Für uns allerdings ist das so schon Abenteuer genug. Wir dürfen Giraffen, Zebras, Kudus, Antilopen, Strauße, Elefanten und sogar zwei Nashörner vom Sattel unserer Motorräder beobachten. Das hat seinen ganz speziellen Reiz, denn das Erlebnis und die Nähe zu den Tieren ist ohne den Blechkasten des Autos drumherum noch viel intensiver.


DJI 0084Auf kleinen Landstraßen und abgelegenen Pisten geht es weiter, immer Richtung Nordosten, auf die Gipfel Lesothos zu. Noch bevor die Dreitausender zu sehen sind, hebt sich das Land bereits zu zahlreichen kleineren Gipfeln, Tafelbergen und vereinzelten Hochplateaus. Von diesen stürzen die Wassermassen gerade zu dieser Jahreszeit kräftig in die Tiefe. In Hogsback, einem kleinen Bergdorf am Rande einer solchen Klippe, machen wir eine sehr schöne Rast in dem lokalen Backpacker Hostel mit angeschlossenem gemütlichen Campingplatz. Ein kleines Lagerfeuer ist aus den umherliegenden Ästen schnell entzündet und der Abend kann entspannt ausklingen. Am nächsten Morgen entdecken wir die Badewanne am Rande der Welt. Kurz vor einem Klippenüberhang haben sie eine Wanne in den Fels eingemauert und man kann mit wunderschönem Blick ins Tal und auf die Wasserfälle entlang der Klippe ein warmes Bad nehmen. Die Hygiene nach dem Bad hält allerdings nicht sehr lange an, da die umliegenden Pfade zum Laufen einladen. Da wird doch gleich mal die “Drei Wasserfälle” Tagesetappe vor dem Frühstück gerannt. Der schmale Pfad durch den dichten, feuchten Regenwald, gefüllt von der morgendlichen Bergluft und den Aromen feuchter Pflanzen ist ein Genuss. Es ist natürlich zu dieser frühen Stunde noch niemand unterwegs, was die Stille an diesem verwunschenen Ort vollkommen macht. Nach dem letzten Wasserfall, der sich über 20 Meter Breite in die Tiefe stürzt, ist das stetige Rauf und Runter zwischen Plateau und Tal beendet. Nun geht es auf einem ebenen Forstweg zurück in den Ort und direkt zum Frühstück. Ich bin am verhungern.
PB293307Obwohl wir sehr spät aufbrechen, schaffen wir an diesem Tag über 300 Kilometer, mit erheblichem Anteil an unbefestigten Wegen. So kommen wir fast bis Lesotho und kehren am Abend in Rhodes ein. Dieses gemütliche Dorf liegt im letzten Tal vor der bergigen Grenze zum Bergkönigreich. Völlig abgeschieden vom Rest der Welt scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Allein die Abwesenheit der mittlerweile normal gewordenen Elektro- und Stacheldrahtzäune,von bewaffneten Privatarmeen bewacht, wie sie im ganzen Land üblich sind, gibt uns ein schönes Gefühl der Sicherheit und Entspannung. Das alte Hotel im Ortskern ist die einzige offene Übernachtungsmöglichkeit in dieser touristenfreien Zeit. Es ist etwas teurer als unser üblicher Campingplatz, aber dafür überrascht man uns mit hervorragender südafrikanischer Küche. Die gibt es einfach zur Übernachtung dazu. Das frische Rindersteak von der angrenzenden Farm desselben Besitzers ist eines der Besten, was wir hier unten zwischen die Zähne bekommen haben. In Südafrika versteht man etwas von Steaks und es ist nicht umsonst die Nation mit dem höchsten Fleischkonsum pro Kopf.

 

             
PB293350PB304464Mit der aufgehenden Sonne brechen wir von Rhodes nach Norden auf. Die Piste wird schmaler und schmaler, während sie sich in Spitzkehren den zerklüfteten Hang zur Grenze Lesothos hinaufhangelt. Noch ist es nicht an der Zeit ins Bergkönigreich vorzudringen und kurz vor der Grenzlinie knickt die Piste nach Osten ab. Wir folgen der TT (Tenahead-Tiffindell) contour road bis wir uns auf knapp dreitausend Meter geschraubt haben. Ein kleiner Wegweiser informiert uns, dass wir nun auf der höchsten Straße Südafrikas unterwegs sind. Die Ausblicke in die langgezogenen Nord-Süd Täler, die von den Bächen und Flüssen über die Jahrmillionen tief ins älteste Bergmassiv des Globus gefressen wurden, lassen auch unser Herz höher schlagen. Wir lieben diese Berge. Die Gipfel zeichnen sich rau und unüberwindbar gegen den blau-grauen, von massiven Wolkenbergen durchsetzten, Himmel ab. Über den Horizont ziehen einzelne, tiefschwarze Gewitterschauer und gelegentliche Blitze. Dazu im Kontrast stehen die nach unten hin immer weicher und fruchtbarer werdenden Täler und Schluchten, die sich wie Adern vom Herzen der Berge wegschlängeln. Sie sind mit einem fast leuchtend grünen Teppich aus subtropischen Pflanzen und feuchtem Regenwald überzogen. Vereinzelt steigt Nebel aus den Wäldern und von den zahllosen Wasserfällen auf und gibt dem ganzen Panorama etwas Mystisches.

 

Eine Landschaft, in der man sich über das Auftauchen von ein paar prähistorischen Tieren aus einem Land vor unserer Zeit nicht sonderlich wundern würde. Obwohl die Piste eher zu den schwierigeren Erfahrungen unserer bisherigen Südafrika-Etappe zählt und wir sehr langsam vorwärts kommen, haben wir durch unseren frühen Aufbruch zum Glück genug Zeit, um immer mal wieder Halt zu machen, durchzuatmen und die Kulisse in uns aufzunehmen.
PC156294Von einer Empfehlung fahren wir zur nächsten. Wir haben viele Linien, Kreise, Namen, Routen und Schlafplätze von unseren südafrikanischen Motorradfreunden auf unsere Landkarte gemalt bekommen. Das Lesen der ursprünglichen Informationen ist an manchen Stellen schon etwas schwierig geworden, aber die Notizen haben uns schon an so manche Orte geführt, die wir im Reiseführer nie gefunden hätten. Nicht, dass hier jetzt Missverständnisse aufkommen: Wir besitzen natürlich keinen Reiseführer, eben weil wir uns gerne durchfragen und überraschen lassen. Manchmal kommt es vor, dass man sich bei einem Tipp nicht so sicher ist, ob er den Weg wirklich wert ist. Häufen sich jedoch die Empfehlungen für einen Ort von verschiedenen Leuten, so kann man davon ausgehen, dass man sich das auf jeden Fall anschauen sollte.

IMG 20211219 214109vf3IMG 20211219 214620vf3Unsere kommende Route führt uns über einen Pass, der uns von eigentlich jedem Biker empfohlen wurde, den wir getroffen haben: Der Sani Pass. Bis zur südafrikanischen Grenzstation ist die Passstraße mittlerweile asphaltiert. Die leichten Kehren durch das sanft ansteigende Tal gleiten die Motorräder in traumhafter Kulisse entlang. Auf 2000 Metern betreten wir, nach dem obligatorischen Stäbchen in der Nase, den Grenzbereich zwischen Südafrika und Lesotho. Visa, Zollabwicklung, Versicherung etc. sind nicht nötig, da Lesotho politisch fast als ein Bundesstaat mit Sonderrechten zu Südafrika gezählt werden kann. Die nächsten acht Kilometer sind logistisch für die beiden Länder eher unwichtig, die LKW rollen über den Norden und Westen nach Lesotho, wo sie sich keine engen Canyons und fast unüberwindbare Klippen hochschlängeln müssen. Der Asphalt endet an der südafrikanischen Grenzstation, die folgende Piste wird regelmäßig von Bergbächen und kleinen Flüsschen überspült, die Steigung übertrifft teilweise die 25% Marke und in den Kurven dockt der Lenker regelmäßig am Lenkanschlag an. Auf 2500 Meter Höhe versinken wir plötzlich im dichten Nebel der Wolken... um auf 3000 Metern wieder von den Wolken ausgespuckt zu werden. Es bietet sich uns ein atemberaubender Blick über das Wolkenmeer, welches vergeblich gegen die Bergklippen anbrandet ohne darüber hinweg zu kommen. Die Wolken sind zum Greifen nah und so kompakt, dass es wirkt, als ob man auf der Watte dort unten laufen könnte.


DJI 0084PC145930Diese Nacht schlafen wir direkt auf der Passhöhe neben der höchstgelegenen Kneipe Afrikas. Der Himmel ist glasklar und mit Sternen übersät. Das Bild ist so beeindruckend, dass ich beschließe draußen zu schlafen. Temperaturen um den Gefrierpunkt und windige Böen bringen den leichten Daunenschlafsack an seine Grenzen, aber eben noch nicht darüber. Um vier Uhr morgens ist die Nacht vorbei. Der Sonnenaufgang lockt und wir bewegen uns in dem mittlerweile schneidenden Wind auf den Klippenrand zu, um das Spektakel zu genießen. Drei Stunden später sitzen wir abfahrbereit in der warmen Kneipe an Afrikas höchster Bar und gönnen uns ein paar Eier mit Speck und einen Kaffee, während wir versuchen alle Wärme des gemütlichen Raumes in uns aufzunehmen, bevor es wieder raus auf die Straße geht. Die Sonne steht uns heute morgen angenehm wärmend im Rücken, doch es soll leider das letzte Mal für diese Woche sein, dass wir sie zu Gesicht bekommen. Die ersten zehn Minuten hält sich das wohlige Gefühl, bevor die Kälte zuerst in die Finger, dann in den Helm und schließlich in den ganzen Körper kriecht. Der gesamte Südosten Lesothos liegt auf einer Höhe zwischen 2300 und 3300 Metern. Auch im hiesigen Sommer wird es nie richtig warm. Wir haben uns verschätzt was die Wetterbedingungen angeht und auf der nun folgenden Etappe werden wir uns auch gehörig verschätzen, was die Straßenqualität angeht. Noch fahren wir auf pikfeinem Asphalt...

 

 

In Mkothlong füllen wir unsere Tanks, Nahrung und Wasser für zwei Tage auf. Von hier aus geht es wieder unbefestigt in den äußersten Südosten des Landes, direkt zu den höchsten Bergen des südlichen Afrikas. Wir möchten heute versuchen bis in den Selabethebe Nationalpark zu kommen und dabei den Matebeng Pass mit über 3000 Metern Höhe zu überqueren. Das sind nur 80 Kilometer Luftlinie von Mkothlong, aber auf der Piste ist es die dreifache Distanz. Das spricht für eine sehr kurvige Strecke. Fahren in Lesotho ist wie Bergsteigen, es gibt nur zwei Straßenverläufe: Rauf oder Runter. Doch schon am frühen Nachmittag haben wir einen Großteil der Strecke durch die vielen kleinen Bergdörfer zurückgelegt. Wir sind guter Dinge ganz entspannt noch vor der Kaffeezeit im Nationalpark anzukommen.

PC187013PC187021 (1)Lesotho gefällt uns bis jetzt ausgesprochen gut. Die nette und offene Umgangsform der Menschen hier ist nach der verschlossenen Art der meisten schwarzen Südafrikaner Balsam für unsere Seele. Die Kinder springen endlich wieder auf die Straße und fordern uns zum Vorderrad lupfen auf, schreien uns vergnügt entgegen und winken uns aufgeregt zu. Die Erwachsenen lachen uns an, versuchen sich überall, wo wir anhalten, mit uns zu unterhalten und freuen sich schon, wenn wir einfach nur zurückwinken. Obwohl das Leben hier in den unwirtlichen Bergen ungleich viel schwerer als in den südafrikanischen Metropolen scheint, kommen die Menschen hier wesentlich ausgeglichener rüber. Jeder hat hier sein eigenes kleines Feld, ist gleichzeitig Farmer, Schafhirte, Architekt und Landschaftsbauer. Man legt seine eigenen Terrassen an, baut ein paar Viehstände und Hüttchen für die Familie darauf und pflanzt etwas Mais, Bohnen, Zwiebeln etc. drumherum. Ein bodenständiges, aber freies Leben in den Bergen, denen man halt das Nötigste in schwerer Arbeit abringen muss. Aber es bekommt den Menschen offensichtlich besser als einmal monatlich vor der Behörde zu stehen und sich seine staatliche Grundhilfe abzuholen oder die Nahrung einfach von der UN zu beziehen und dann wieder in der Blechhütte zu verschwinden, um den Fernseher anzuschmeißen. Lesotho ist einfach wieder richtig Afrika und die Menschen heißen uns trotz der niedrigen Temperaturen wirklich warmherzig Willkommen.

 

PC084680PC094685Die tief hängenden grauen Wolken begleiten uns seit Mkothlong. Gelegentlich umfängt uns Dunkelheit, wenn wir auf den Bergkämmen von den Wolken eingehüllt werden. Wir fahren zügig wo es möglich ist und schaffen es irgendwie bis zum Fuße des Matebeng Massivs, ohne richtig nass zu werden. Die Gewitter verdichten sich vor den Berggipfeln und uns wird ein bisschen mulmig, als der Donner immer etwas näher kommt. Bei der kurvigen Piste, die vor uns liegt, wird es auf jeden Fall schwierig, dem Regen weiter davon zu fahren. Von der vermeintlichen Hauptstraße, die laut Karte am Ende des Tals vor den fast senkrecht aufragenden Bergen in einer Sackgasse endet, zweigt in einer unauffälligen Kurve ein Weg ab, an dem wir natürlich erstmal voll vorbei rauschen. Nach ein paar Kilometern bemerken wir unseren Fehler und brauchen eine Weile, bis wir die Einmündung finden. Die Strecke ist tatsächlich nicht viel mehr als ein anderthalbspuriger Pfad, aber die Karte und die Navigation sind sich einig: Da geht es lang! Gleich am ersten Bach bemerken wir, dass dieser Weg wirklich lange nicht gepflegt wurde und auf gar keinen Fall der Erwartung der dicken gelben Linie auf unserer Karte gerecht wird, die ihn als eine Hauptverbindung ausweist. So schlimm kann es schon nicht werden, denken wir uns und fahren mit Schwung über die schräge, talwärts ragende Betonplatte, die einmal eine Art befestigte Furt dargestellt haben muss. Es sind nur ca. 30 Kilometer Passstraße. Wir sollten also in einer Stunde auf der anderen Seite sein...

 

Es beginnt zur regnen. Erst tröpfchenweise, zur Passhöhe hin dann eher eimerweise. Der Weg ist an vielen Stellen durch die jahrelange Abnutzung tief in die Bergflanke eingeschnitten und damit eine unfreiwillige Drainage für die Wassermassen, die auf dem felsigen Boden nicht versickern können. Teile des Weges verwandeln sich zum Flussbett. Die kindskopfgroßen, glitschigen Steine destabilisieren das Motorrad im schnell fließenden Wasser erheblich. Joana schmeißt die Maschine sogleich mitten in den Bachlauf. Es bleibt nicht bei diesem einen Sturz. Kurz vor der eigentlichen Passhöhe wird es wirklich steil, die Räder finden wenig Halt auf dem glitschigen Fels und ich muss immer öfter beide Bikes über die Schlüsselstellen manövrieren. Die vielen Tageskilometer machen sich in der Konzentration bemerkbar. Von wegen eine Stunde bis Feierabend, wir brauchen fast vier Stunden für die letzten 30 Kilometer. Zu allem Überfluss erwartet uns hinter der Passhöhe dichter Nebel. Wir können nur wenige Meter weit sehen und hoffen einfach, dass es hier keine wichtigen Abzweigungen gibt.

IMG 20211219 230621vf3IMG 20211219 214109vf3Den Entwässerungsfluss des südlichen Tales überqueren wir auf dem Weg nach unten sage und schreibe acht Mal und natürlich steigt der Wasserspiegel, je weiter wir runter fahren. Bei mitunter 80 Zentimetern fließender Wassertiefe sind wir echt froh über die gute Verarbeitung der tiefer liegenden Elektrik und den hohen Ansaugstutzen unserer kleinen Hondas. Bei der vorletzten Querung erwische ich im undurchsichtigen Wasser eine glitschige Kante mit dem Hinterrad, das Bike dreht sich und ich liege mit vollem Gepäck im stark fließenden und eiskalten Wasser. Zum Glück hat mich der ungewollte Drift längs zur Fließrichtung hingeworfen. Ob ich das Bike gegen die Strömung aufrichten könnte ist fraglich. Selbst längs zum Wasser ist das Aufrichten auf dem rutschigen Untergrund ein Kraftakt. Joana kann mir nicht helfen, der Fluss ist zu tief, um schnell rüberzufahren. Meine Füße beginnen ihr Gefühl zu verlieren, während ich vorsichtig die Zündung aus- und wieder einschalte, in der Hoffnung das Motorrad springt mitten im Wasser einfach wieder an, nachdem es komplett getaucht wurde. Schlüssel auf ON, das gewohnte Summen der Benzinpumpe, ein gutes Zeichen, Anlasserknöpfchen drücken....läuft!!!
Völlig durchgefroren kommen wir in der Dämmerung am Nationalpark an.

 

Die Lodge und der Campingplatz haben geschlossen. Zum Glück sind noch zwei Wächter vor Ort, um auf die Einrichtung achtzugeben, bis mal wieder touristische Zeiten anbrechen. Als sie uns in unserem Zustand sehen, fangen sie an zu telefonieren und schließen uns kurze Zeit später eine der Mitarbeiterunterkünfte auf und machen uns sogar die Gasheizung an. Welch ein verdammter Luxus in dieser nassen Einöde. Klasse! Wir schlafen warm und trocken und so tief wie schon lange nicht mehr. In den darauf folgenden Tagen lernen wir mit der Kälte zu leben. Das Thermometer klettert selten in den zweistelligen Bereich und bis auf einen schönen Nachmittag sehen wir nur Regen und Nebel in Lesotho. So viel Glück wie wir auf unserer Reise bisher hatten, muss man wohl auch mal Pech haben. So verwöhnt wie wir nach 14 Monaten Afrika sind, schlägt uns das Wetter schon sehr aufs Gemüt.

PC197039PC105187Als ich dann noch am Sonntag um ein Haar mit einer der unzähligen volltrunkenen Autofahrerinnen kollidiere und das Ganze nur durch einen gezielten Rutscher abwenden kann, rutscht Joana das Herz in die Hose. Hätte mich das Auto getroffen, wäre diese Reise wohl hier erstmal zu Ende gewesen. Das Auto taucht ohne Blinker oder Licht auf einem der Schlammwege hinter dem hohen Schilfgras auf und fährt ohne zu zögern direkt vor mir auf die Hauptstraße. Wir haben allein an diesem Tag bereits zwei leichte Unfälle direkt am Straßenrand gesehen. Nach einer kurzen Unterhaltung und der Frage ob wir helfen können, sind wir uns ziemlich sicher: Alle sind auf Alkohol zurückzuführen. Lesotho hat, wie viele afrikanische Regionen südlich der Sahara, ein massives Alkoholproblem. Zum Glück sind unsere Motorräder so leicht und robust und die Satteltaschen rutschen brav zur Seite bei Bodenkontakt. Außer ein paar ordentlichen Kratzern und ein paar verdrehten Teilen, die man wieder zurückdrehen kann, ist nichts passiert. Nur meine löchrige Regenkombi ist nun wohl nicht mehr dicht....aber das war sie auch vor dem Unfall schon nicht so richtig.

 

Die nächsten Tage scheinen Regen und Nebel einen Staffellauf zu veranstalten. Wenn der eine nicht schlierend über den Helm läuft, dann kriecht der andere dir kalt in die Klamotten. Am letzten Abend, bevor wir Lesotho wetterbedingt etwas schneller als geplant verlassen, genießen wir noch etwas Kultur. Unverhofft finden wir einen gemütlichen Schutz vor dem allgegenwärtigen Nass in einem günstigen Hotel, welches auch als Veranstaltungsräumlichkeit dient. Hier feiern heute die Eltern mit ihren Schützlingen den ersten Jahresabschluss der jungen Schüler. Natürlich sind wir mittendrin und es gibt zur Feier des Tages noch eine Fotoserie auf dem Motorrad. Vom Jüngsten bis zur Ur-Oma müssen sie natürlich alle einmal die Enduro erklimmen, was mitunter sehr akrobatisch anmutet, aber allen viel Freude bereitet.Wir verlassen Lesotho nach knapp einer Woche auf der Suche nach der Sonne...und finden diese erst zwei Tage später in Clarence wieder.

PC207049Wir dachten schon sie gänzlich verloren zu haben. Eine gute Woche Dauerregen und wir sind schon wieder wüstenreif. Wasser tut einem natürlich nicht weh auf dem Motorrad, es sei denn man legt sich mal wieder hin, weil es zu glitschig ist, aber es macht eben auch so gar keinen Spaß im Regen zu fahren. Man sieht nichts, es ist kalt, die Kleidung wird immer schwerer, Zelt und Co. fangen an zu schimmeln etc.. Wir haben auf jeden Fall erst einmal genug vom Wasser und von der Rastlosigkeit der nassen Straße und fahren über Weihnachten ein paar alte Freunde besuchen. Auch wenn das Leben auf der Straße jeden Tag etwas Neues zu bieten hat, so kommt doch immer mal wieder der Moment, in dem man sich einfach etwas Vertrautes wünscht. Eine Familie, einen Ort, an dem man sich einfach gut aufgehoben fühlt. Am nächsten Tag nicht alles zusammenpacken und keine 300 Kilometer zurücklegen. Es wäre schön einfach mal zur Ruhe zu kommen. Wir sind nach dieser frustrierenden Woche gerade an genau diesem Punkt angelangt.

 


PC237132PC044587Inmitten der östlichen Drakensberge liegt ein malerisches Tal, das Champagne Valley. Vom kleinen Städtchen Winterton an zieht sich das Tal leicht ansteigend bis an die Grundmauern des 3300 Meter hohen Champagne Castle (zu Deutsch Champagner Schloss), welches mit seinen senkrechten Klippen und seinem geriffelten Gipfelgrat in seiner Kontur tatsächlich an ein übergroßes Schloss erinnert. Viele kleine Bäche aus den höheren Bergen stürzen allenthalben als Wasserfälle von den Felsen und Klippen zu beiden Seiten des Tales, bevor sie sich in den Hauptstrom ergießen. Der klare Sterkspruit entwickelt sich im Laufe des Tals mit seinen vielen Nebenadern vom kleinen Bergbach zum starken Strom. Wasser gibt es reichlich um diese Jahreszeit und es ist meistens sogar warm genug zum Baden. Die Flanken des Tals leuchten in saftigem Grün. Auf einer kleinen Anhöhe im letzten Drittel des beschriebenen Paradieses liegt der Campingplatz Mountain Splendour. Umgeben von einer bunten Mischung aus Eukalyptusbäumen, Kiefern, knorrigen Eichen und weit ausladendem Ahorn lädt der Platz zum gemütlichen Zelten in der klaren Bergluft ein. Es ist bald Hauptsaison. Der Platz bietet 80 Zelten und Wohnwagen Platz und diese werden über Weihnachten wohl auch kommen. Schon jetzt ist ordentlich was los. Die Kinder schreien im Quellwasser gespeisten Felsbecken, die Pferde wiehern, Hausschweine und Ziegen grasen auf den Wiesen im Schatten der Bäume. Es ist wahrlich ein Ecocamp (Öko Campingplatz). Mit einer einfachen Farm hat es hier vor einigen Jahrzehnten angefangen und ist nun eine feste Adresse für naturnahe Camper aus ganz Südafrika.

 


P1030196 (1)Wir werden begrüßt von Iain, Sue, Abi und Josh. Seit wir uns vor sechs Jahren in den südlichen Ausläufern der Atacama Wüste getroffen haben, steht ihre Einladung nach Südafrika auf ihren schönen Campingplatz zu kommen. Nun haben wir sie endlich angenommen. Die Freude ist auf beiden Seiten groß. Seit wir losgefahren sind, verfolgen die Vier unsere Reise. Es fühlt sich gleich an wie ein Wiedersehen alter Freunde, auch wenn wir eigentlich gar nicht so viel Zeit zusammen verbringen konnten bei unserer letzten Begegnung. Manchmal funkt es einfach sofort. Iain hat schon vorgesorgt und uns seinen Wohnwagen mit Vorzelt aufgebaut. Kommt gar nicht in Frage, dass wir hier einfach in unserem Zelt schlafen, ein bisschen gemütlicher sollen wir es schon haben. Wir lassen uns das gerne gefallen, fragen aber natürlich der Höflichkeit halber erstmal nach den Kosten und der maximalen Dauer unseres Aufenthalts, auch wenn wir uns die Antwort bei der herzlichen Begrüßung schon denken können. Iain und Sue tun es mit einem Lächeln ab. Wir können bleiben so lange wir wollen und sind natürlich eingeladen. Die Theke steht uns immer offen und für Weihnachten und Silvester sollen wir uns nichts vornehmen, wir sind bereits eingeplant.

 

 

Es sind noch ein paar Tage hin bis das Weihnachtsfest ansteht und wir wollten eigentlich gar nicht bis Silvester bleiben...aber wenn man schon mal eingeladen ist. Zwei Tage später haben wir eigentlich schon beschlossen so lange zu bleiben, wie es unser Visum zulässt. Es ist Wun-der-schön! Über die Landschaft habe ich ja schon hinreichend sinniert, aber auch alles andere passt einfach. Der Wohnwagen, ein alter Jürgens, mit seinen Batikmustern und dem orange-grünen Vorzelt, den durchsichtigen Folienscheiben, die durch aufgedruckte weiße Holzsparren in vier kleine Fensterchen unterteilt werden und die uralten Plastikklappstühle vermitteln ein gemütliches siebziger Jahre Hippie-Camping-Gefühl. Die Nachbarn mit ihren wilden Kindern, die allzeit ohne Helm und barfuß auf dem Fahrrad durch die Gegend preschen, im Schlamm driften, in jede Pfütze springen, begeistern uns mit ihrer Coolness und ihrer natürlichen, naturverbundenen Art. Sie überraschen uns jeden Tag mit einer neuen Einladung zum Kaffee, zum Grillen oder einfach zum Schwätzen. Der Geruch von gegrilltem Fleisch und Holzfeuer liegt in der Bergluft und das glückliche Kindergeschrei schallt über die Zelte. Einfach Klasse!
PC297450Neben der Leidenschaft für das Reisen, die Berge und das Laufen, Iain und Sue halten mehrere Rekorde im Langstreckenlaufen, fahren dreiviertel der Familie Don-Wauchope natürlich Enduro. Nur Sue beschränkt sich bisher auf eine Pferdestärke. Iain hat eine Yamaha TTR230 mit 43 Pferden im Stall stehen, Josh eine KTM EXC125 und Abi treibt eine TTR125, wie auch ihre Rennpferde, ohne Hemmungen zur Höchstleistung. Beim Motorradfahren sind wir schnell auf einem Nenner. Ich kann gerade den Kindern auch noch das Ein oder Andere beibringen und dadurch ergibt sich die Möglichkeit uns für die großzügige Einladung erkenntlich zu zeigen. Zuerst mal bekommen Abi und Josh einen ausführlichen Grundlagenkurs im Schrauben. Wir beginnen mit dem Ölwechsel, Lagerwechsel, Kettenwechsel, Luftfilterreinigung, Zündkerzenwechsel, Ventilspieleinstellung, Vergaserreinigung und -einstellung. Es folgt eine kleine Einführung in die richtigen Reifendrücke im Gelände, die perfekte Einstellung der Hebel, das korrekte Warmfahren und Abstellen der Bikes. Danach trainieren wir zu viert Balancieren, Kupplungsbeherrschung, Kurvenfahren und schließlich Hindernisüberquerung. Nach zwei Tagen Trial geht es dann endlich raus ins Gelände. Für die Freiheiten für Motorradfahrer außerhalb des deutschsprachigen Raumes und vor allem außerhalb Mitteleuropas habe ich mich in vorherigen Artikeln genug begeistert. Dennoch bin ich auch diesmal wieder ergriffen von der Möglichkeit, seine Freude an der Natur vom Motorrad aus genießen zu können. Wir fahren tiefe Canyons entlang, schlängeln uns Flussläufe hoch und fliegen förmlich über die grünen Hügel- und Bergkämme der Drakensberge. Es ist kein Wunder, dass viele der besten Enduristen der Welt aus Südafrika kommen. Das Terrain ist einfach ein Traum und wir sind mittendrin.
Neben dem Endurotraining halten Abi und Josh uns auch anderweitig voll auf Trapp. In Südafrika ist Sport in all seinen Ausprägungen die häufigste Art der Freizeitgestaltung. Wir reiten zusammen, gehen auf ausführliche Wanderungen, befahren den Fluss mit alten Autoschläuchen und Mini-Booten, heizen mit den Mountainbikes entlang der zahllosen Trails durch die Berge, spielen Rugby, gehen einfach mal eine Runde schwimmen, laufen oder trainieren.

PC287369Einer unserer Nachbarn, Brett, bietet uns spontan an mit seinem ultraleicht Motorflugzeug eine Runde über die Berge zu drehen. Das können wir unmöglich ablehnen und so sehen wir die Drakansberge kurze Zeit später aus der Vogelperspektive.

 

PC257177PC257218Die Zeit bis Weihnachten verfliegt. Unser Heiligabend wird hier mit Familie und Geschenken am 25.12. gefeiert. Wir sind eingeladen am späten Vormittag vorbei zu kommen. Iain und Sue wohnen in einer gemütlichen Wohnanlage an einem der grünen Hügel ,nur ein paar Kilometer entfernt von Mountain Splendour. Wir sind natürlich, dem Klischee der überpünktlichen Deutschen folgend, die Ersten und helfen noch ein bisschen bei der Vorbereitung. Beim Auftischen der Speisen läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen. Der Holzgrill wird angefeuert, die ganze Familie trudelt nach und nach ein. Aus Johannesburg, Kapstadt, Durban und Ladysmith, überall sind sie verstreut und kommen wie bei uns über Weihnachten zusammen. Wir fühlen uns geehrt zu diesem schönen Fest eingeladen zu sein. Wir haben, zumindest für einen Tag, das Weihnachtsgefühl, wie wir es kennen und auf der Reise so manches Mal vermissen. Vor einem Jahr haben wir diese Zeit zwischen Tunesien und Ägypten in den Flughäfen verbracht, leider ohne einen Anflug von Weihnachtsstimmung in diesen beiden gänzlich unchristlichen Ländern. Nun genießen wir das Beisammensein um so mehr. Beim ersten Biss in das langsam geräucherte Biltong Steak könnte man vor Genuss schon emotional werden, aber spätestens als wir zur Bescherung völlig unerwartet zwei kleine, hübsch eingepackte Geschenke von der Familie überreicht bekommen, stehen uns Freudentränen in den Augen. Welch ein wunderschönes Fest. Welch eine Gastfreundschaft.

 

PC267252PC287398Zwischen den Jahren ist hier auf dem Campingplatz immer Hochbetrieb. Unser Winter ist Südafrikas Sommer und dementsprechend fallen die großen Ferien hier auf den Jahreswechsel. Betriebsferien werden hier ebenfalls in dieser Zeit verteilt. Kurz gesagt: Ganz Südafrika ist auf Achse und des Buren liebste Art zu reisen ist das Camping. Diese Tradition ist es auch, die hier viele Tourismusbetriebe trotz der übertriebenen Flugverbote, Quarantäne und Testvorschriften in unserer Heimat und dem damit verbundenen Ausbleiben europäischer Touristen, gerade so über Wasser hält. Mountain Splendour ist bis auf den letzten Platz ausgebucht. Wir fallen dennoch auf mit unseren seltsam aussehenden Motorrädern und unserem deutschen Nummernschild. So spricht es sich schnell rum, dass wir ein paar interessante Geschichten zu erzählen haben. Neben Einladungen zu zahllosen Kaffee-Nachmittagen und Grillabenden kommt spontan die Idee auf, wir sollten doch mal einen Vortrag halten. Also setze ich mich an unsere neueste technische Errungenschaft, ein kleines 10 Zoll Tablet zur Bildbearbeitung, und stelle eine kleine Präsentation zusammen. Wie immer fange ich kurz vor knapp mit der Vorbereitung an und stelle nach drei Stunden fest, dass der Vortrag wohl nur bis zur Hälfte fertig wird, bevor das Publikum eintrifft. Also wird improvisiert und am folgenden Abend gibt es dann einfach die zweite Hälfte zu sehen und zu hören. Unsere Campernachbarn sind allesamt begeistert und wir sammeln nebenbei immerhin 80€ Spenden für Alfreds Waisenhaus in Kenia. Obendrauf kommen noch mehrere Einladungen aus ganz Südafrika. Spätestens nach diesem Abend haben wir in jeder Provinz Südafrikas ein paar Freunde, bei denen wir jederzeit unterkommen können.

 


Tags darauf feiern wir ausgelassen Silvester, nachdem wir uns mal kurz einen Schnelltest reingeschoben haben. Vermutlich hatte der Körper sich noch nicht richtig von den kalten Tagen in Lesotho und der übermäßigen Sportintensität danach erholt und wir haben beide ein bisschen Halsschmerzen und Husten. Wie dem auch sei: Beide negativ! Die Party kann beginnen. Wie immer in Südafrika natürlich mit Braai (zu deutsch: Grillen). Obwohl wir eigentlich mit der Sonne leben, schaffen wir es bis kurz nach Mitternacht wach zu bleiben und genießen die erste richtige Party seit vielen Monaten. Wir fragen uns in dieser Nacht, wie wir es eigentlich so lange ohne jegliche Festivität ausgehalten haben, war es doch einmal ein sehr wichtiger Bestandteil einer jeden Kultur und eben auch einer jeden Persönlichkeit, gelegentlich mal ein richtig hysterisches Fest zu begehen! Im neuen Jahr bleiben uns noch 15 Tage, bevor wir das Land verlassen müssen. Wie schnell 90 Tage Visum doch schon wieder vorbei gegangen sind. Es kommt der Tag des Abschieds ,nachdem wir drei schöne Wochen in Mountain Splendour genießen durften. Das Gefühl der Heimatlosigkeit hat sich mit der Warmherzigkeit von Iain, Sue, Abi und Josh etwas gelegt. Sie haben uns, wenn auch nur temporär, die Heimat gegeben, die uns nach so langer Zeit auf der Straße gefehlt hat. Der Abschied fällt dementsprechend schwer. Nirgendwo haben wir auf dieser Reise mehr Zeit verbracht als bei den Vieren in den Drakensbergen. Danke für diese einmalige Einladung!Tauziehen

 

P1090251P1090317Bevor wir das Land endgültig Richtung Norden verlassen, steht noch ein Stopp an, den wir uns nicht entgehen lassen möchten. Shane Dale, seine Frau Lauri und sein Sohn Elijah haben wir in den Drakensbergen kennen gelernt und sie haben uns zu sich nach Ballito, ein Stück nördlich von Durban, eingeladen. Das liegt genau auf unserer Route. Da schauen wir doch mal vorbei. Außerdem ist Shane leidenschaftlicher Enduro Pilot und hat schon im Voraus eine Maschine für mich organisiert, eine KTM EXC 300. Damit geht es gleich nach unserer Ankunft in die Berge von Glenndale, ein riesiges Enduro Paradies in Hand der lokalen Stämme. Auf Stammesgrund gibt es quasi keinen geschlossenen Privatbesitz und keine Großgrundeigner. Damit gibt es hier auch keine Zäune und keine Restriktionen. Die Menschen hier lieben Motorräder, wie die meisten auf diesem Kontinent. Somit können wir jeden Trampelpfad, jeden Wildwechsel, jedes Bachbett, Steilhänge, Feuerschneisen und Wassergräben nach Herzenslust befahren. Die Leute hier haben auch ein paar Vorteile davon, dass wir hier umgraben. Die große Endurogemeinschaft hält die Wege frei, belebt den lokalen Handel durch ihren Nahrungs- und Getränkebedarf beim Trainieren und sie kofinanzieren durch Spenden die ein oder andere Schule und beteiligten sich, nicht ganz ohne Eigeninteresse, am Bau eines lokalen Krankenhauses. In diesem Sinne: Rettet die Welt, fahrt mehr Enduro! :-D

Zurück in der gemütlichen Wohnung kann ich mich, wie so oft nach spontanen Hard-Enduro Trainings, kaum bewegen und falle wie tot ins Bett um über zwölf Stunden zu schlafen. Mit wachen Augen fällt uns am nächsten Tag das elektrische Yamaha Schlagzeug in der Ecke des Wohnzimmers auf. Elijah haut gelegentlich darauf herum. Das Set ist allerdings nicht unbedingt kinderfreundlich eingestellt. Eigentlich ist es gar nicht eingestellt. Da ich es bekannterweise hasse, wenn technische Dinge nicht korrekt gewartet, eingestellt oder benutzt werden, mache ich mich an das Schlagzeug, um es in Schuss zu bringen. Wenn man weiß, wo man schrauben muss ist es gar nicht soooo viel zu tun. Nach zwei Stunden ist das komplette Set kinderfreundlich eingestellt und korrekt verkabelt. Die Empfindlichkeit und Lautstärke sind nivelliert und kurze Zeit später kann Elijah bereits den Grundrhythmus spielen. Am nächsten Tag weiß er wie die einzelnen Bestandteile des Schlagzeugs heißen, wie sie klingen und wann man sie schlägt. Der Grundstein ist gelegt, die Begeisterung geweckt, jetzt ist es nur noch ein bisschen Fleißarbeit und bald kann er mit seinem Vater zusammen musizieren. Shane spielt richtig gut Gitarre und singt dazu fast wie Eddie Vedder von Pearl Jam. Als er loslegt, klemme ich mich hinters Set und wir beschallen die Nachbarschaft den ganzen Abend lang. Wie gut es sich anfühlt, nach so langer Zeit mal wieder zu musizieren, ist unglaublich. Der Rhythmus fließt, trotz der langen Pause, wie von selbst aus den Händen und Füßen. Wir singen und lachen bis in die Nacht hinein und spätestens als Lauri mit ihren Feuerschlangen um die Ecke kommt, ist die Party im vollen Gange. Was für eine lustige Familie wir da schon wieder erwischt haben, wir fühlen uns wirklich gut aufgehoben. Und so bleiben wir natürlich ein paar Tage länger als geplant und brechen wirklich erst kurz vor Ablauf des Visums nach Norden auf.
Das Bedürfnis, einfach mal Pause zu machen, haben wir hinreichend befriedigt und unser Reiseenergiespeicher ist wieder prall gefüllt! Wir freuen uns auf die Straße, die da vor uns liegt.

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